Was ist das Asperger-Symptom?

Das Asperger-Symptom ist eine Wahrnehmungsstörung, die auf eine andere Funktionsweise des Gehirns zurückgeht. Diese veränderte Funktionsweise ist angeboren und kann daher nicht rückgängig gemacht werden. Die Wahrnehmung ist dahin gehend anders, dass viele Dinge detaillierter wahrgenommen werden. Dafür werden aber die Zusammenhänge zwischen den Details nicht immer erkannt.

Die Störung ist Tief greifend und kann sehr viele Bereiche beeinflussen. So ist zum Beispiel das Körperbewusstsein nur eingeschränkt vorhanden. Reize, die von außen kommen, werden dadurch entweder sehr stark (Überempfindlichkeit) oder kaum bis gar nicht wahrgenommen (Unterempfindlichkeit). Viele Betroffene versuchen dieses geringe Körperempfinden durch verschiedene (teilweise sogar Selbstverletzende) Verhalten auszugleichen.

Auch leben die meisten Betroffenen mehr oder weniger in ihrer eigenen Welt, wo keiner sie erreichen kann und woraus sie auch nicht befreit werden können. Häufig scheinen sie geistig Abwesend zu sein, besonderst dann wenn sie etwas tun, was sie gerne machen. Die Betroffenen aus ihrer Lieblingsbeschäftigung heraus zuholen ist nicht nur schwierig, sondern kann dazu führen, dass der Betroffene wütend wird. Oft bemerkt der Aspie (Mensch mit Asperger-Symptom) erst, dass er geistig nicht anwesend ist, wenn ihm klar wird, dass er etwas nicht mitbekommen hat. Dies wiederum kann dazu führen, dass er verunsichert oder wütend reagiert. Für den Aspie ist die eigene Welt wichtig, da er sich hier geborgen und aufgehoben fühlt. Während er sich in der realen Welt nur schwer zurecht findet. Andererseits hindert ihn die eigene Welt daran, sich auf die reale Welt zu konzentrieren und zu lernen, wie er sich darin zurecht finden kann. Der Aspie lebt in seiner Welt und nimmt daher die reale Welt verschwommen, verzehrt und unvollständig wahr. Dies führt dazu, daß er nicht weiß, wie er mögliche Probleme in der realen Welt lösen kann, wodurch es dann für die Mitmenschen schwierig wird den Aspie zu verstehen. Des weiteren kommt es zu Situationen in denen der Aspie nur im Gedanken handelt, aber meint er hätte es in der realen Welt getan oder er übersieht ein Hindernis und rennt zum Beispiel ohne ersichtlichen Grund gegen einen Laternenpfahl.

Grübeln ist für die meisten Aspies ein leidliches Thema. Von vielen wird es als ein verzweifelter Versuch wahrgenommen, soziale Situation zu verstehen und sie in eine rationale Logik zu zwängen. Der Aspie denkt aber auch darüber nach wie der Tag weiter gehen kann und soll. Des Weiteren denkt der Aspie  auch über die Antworten auf das mögliche Verhalten der anderen nach. So kann es sein das ein Aspie am Morgen schon weiß, was er abends im Restaurant trinken und essen wird und was er mit den Leuten sprechen wird mit denen er zum Essen geht. Geht dieser Plan nicht auf und es ist kein Notfallplan vorhanden, bekommt der Aspie Schwierigkeiten, weil er sich in dieser neuen Situation nicht auf seine Intuitionen verlassen kann. Läuft eine Situation anders ab als der Aspie sie geplant hat, reagiert er in den Augen der NT´s (Abkürzung steht für NeuroTypisch. Gemeint sind die "normalen" Menschen) oft komisch und unberechenbar. Die Reaktionen der NT´s sind dann für den Aspie genauso unberechenbar und komisch. Dadurch wird es für beide Seiten schwierig die Situation sinnvoll lösen. Der Aspie verzieht sich in solchen Situation gerne in seine eigene Welt zurück, womit er dann zumindest geistig aus der Situation flieht. Wie sich das nach außen hin zeigt kann sehr unterschiedlich sein. Dies hängt davon ab in wie weit die eigene Welt durch die Situation in der realen Welt beeinflusst wurde und wie der Aspie vom Temperament her auf solche Situationen reagiert. Kurz: das Planen von Situationen dient der Sicherheit eines Aspies. Durch dieses übergenaue Planen hat der Aspie schnell das Problem, dass der Plan nutzlos wird und dann ein größeres Chaos hinterlässt als wenn er gar nicht geplant hätte. Was neben den Plänen auch wichtig ist, sind die Strukturen. Je eintöniger ein Tag abläuft umso besser für den Aspie. Denn solange sich an der Situation nichts ändert, braucht man sich auch keine Gedanken darüber zu machen, wie eine Situation laufen kann. Die Fälle laufen ab wie immer ohne das besonderst darauf geachtet werden muss, dass alles ohne Verwirrungen abläuft.

Den meisten NT´s, die es mit einem Aspie zutun haben, bemerken schnell, dass der Aspie entweder den Blickkontakt meidet oder starr den Blickkontakt hält ohne ein einziges mal wegzugucken. Die meisten Aspies jedoch meiden den Blickkontakt nicht nur, weil sie es als unangenehm empfinden, sonder weil sie nicht wissen wozu es gut sein soll. Sie erkennen im Gesicht des Gegenübers nichts, was für sie interessant sein könnte. Ein starres schauen ins Gesicht des Gegenübers hängt oft mit folgender Aufforderung zusammen: "Guck deinem Gesprächspartner in die Augen!" (von hin und wieder wegschauen war da nicht die Rede). ;-)

Ein weiteres Thema (und genauso leidig wie das eben umschriebene) sind die Missverständnisse, die zwischen einem Aspie und seinen Mitmenschen entstehen. Sie kommen oft daher, dass der Aspie seinen Gegenüber wörtlich nimmt, dieser aber vieles nicht wörtlich meint. So sind Ironie und Witze für ein Aspie eher etwas völlig unverständliches (und eine astreine Stolperfalle dazu). Im allgemeinen führt dieses Unverständnis dazu, dass ein Aspie oft ausgeschlossen wird und unter Hänseleien, Verunsicherungen, Verletzungen und Einsamkeit zu leiden hat. (Dies führt oft dazu, daß der Aspie sich alleine wohler fühlt.)

Weniger Auffällig (aber besonderst für die Eltern schwierig) ist beim Aspie die Ablehnung von Körperkontakt. Dies gilt bei weitem nicht für alle Aspies aber für einen großen Teil. Es sind jene Reize, die man als Autist sehr deutlich, meist sogar "unangenehm" deutlich, wahrnimmt. Mit der sehr deutlichen Wahrnehmung gehen auch Ängste einher. Angst das der Körperkontakt auch gegen den Willen stattfindet, daher unkontrollierbar wird. Angst, dass er an Körperstellen stattfindet, an denen man es nicht leiden kann. Aber auch das Phänomen, dass so lange man im Körperkontakt zu jemanden anderen ist, nicht in seine Welt zurück kehren kann, kann beängstigend sein.

Selten aber heftig sind Gefühlsregungen bei einem Aspie. Viele Gefühle werden solange wie möglich ausgeblendet, das führt dazu das manche Gefühle plötzlich und unerwartet auftauchen und dann nicht mehr steuerbar sind. Einige Gefühlsregungen erscheinen in der Situation als unpassend und komisch (toben wenn was nicht nach Plan läuft) und manch andere scheinen einfach nur zu stören zu sein, weil sie das rationale Denke unberechenbar beeinflussen. Dieses systematische Ausblenden führt zu heftigen Ausbrüchen in Situationen in denen die Gefühle nicht mehr ignoriert werden können. Aber auch dazu, dass man nicht wirklich weiß, wie sich zum Beispiel Traurigkeit anfühlt und man sich dadurch nicht in einen anderen Menschen hinein versetzen kann. Viele Aspies berichten auch, dass sie bestimmte Gefühle, die man in bestimmten Situation (z.B. Trauer bei einer Beerdigung) erwartet, gar nicht haben oder erst viel später haben.

Unter den Aspies gibt es Menschen, die eine besondere Fähigkeit haben, wie im sprachlichen oder im naturwissenschaftlichen Bereich. Jedoch bleibt vieles Theoretisch. Eine Fähigkeit, die die meisten Aspies haben, ist das Auswendig lernen von Dingen, die sie Interessieren (kein Diagnosekriterium). Wogegen ist das Lernen von Dingen, die für den einzelnen uninteressant sind, kaum möglich. Beim Auswendig lernen werden auch oft Details gelernt, die eigentlich keine wirkliche Wichtigkeit haben, aber für einen Aspie von großer Bedeutung sind.

Eine (überlebens-)wichtige Eigenschaft des Aspies ist auswendig gelerntes und starres Nachmachen. Das Nachmachen hilft dem Aspie viele Schwierigkeiten auszugleichen und sich zu orientieren. Diese Methode hat aber ihre Grenzen. Solange es um Handlungen geht, die mit Gegenständen zu tun haben, funktioniert das Nachmachen ohne Schwierigkeiten. Auch das Nachmachen von Bewegungen ist mit etwas Übung kein Problem. Sobald es aber in den zwischenmenschlichen Bereich geht, wo Interaktion und Empathie gefragt sind, funktioniert es gar nicht mehr. Das Bedürfnis so zu sein wie andere wird somit nicht vollständig befriedigt und kann zur Verzweiflung führen.